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Was war eigentlich vorher?

Was war vorher - Die alte Schule - Vorläufer - 18./19. Jahrhundert

Was war vorher?

Die Reformpädagogik ausschließlich als pädagogische Reaktion auf die 'Paukschule' der wilhelminischen Zeit zu betrachten unterschlägt, daß die Reformpädagogik auch ein Kampf um die Selbstverwaltung der Schulen - ein Kampf um Arbeitsbedingungen und gegen die Abbhängigkeit der Hilfslehrer von Schulleitern (Schulmonarchen), die Lösung der Schule aus der kirchlichen Schulaufsicht, der Entwicklung der Schulpflicht - gegen Betriebe, die Kinder als billige Arbeitskräfte nutzten und Eltern, die auf den Mitverdienst der älteren Kinder angewiesen waren - und das Ende des 'Obrigkeitsstaates' und damit der Beginn der Demokratie war.

Kinder begüterter Eltern besuchten renomierte Privatschulen oder wurden durch Hauslehrer unterrichtet. Bürgerliche und Arbeiter-Kinder besuchten Kirchenschulen. Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen besuchten Armenschulen. In Hamburg z.B. gibt es 1833 wahrscheinlich 21.000 Kinder zwischen 6 und 15 Jahren. Davon gingen 2.400 Kinder auf Kirchen und Stifungsschulen, 500 Kinder in Schulen des Werk- und Armen-, bzw. Waisenhauses, ca. 11.000 Kinder besuchten Privatschulen, 3.000 Kinder gingen zur Armenschule und etwa die gleiche Zahl besuchte gar keine Schule.

Für Privatschulen ('Winkel-' und 'Klippschulen') konnte jeder, auch ohne Befähigungsnachweis, von den Hauptpastoren die Erlaubnis zur Führung einer Schule erhalten. Die Schulbehörde war damals nicht in der Lage für alle schulpflichtigen Kinder weder Unterricht noch geeignete Schulräume bereit zu stellen.

Da geeignete Schulräume fehlten, fand der Unterricht in normalen Zimmern statt. Für Lehrer gab es oft weder Stuhl noch Pult. Auch für die Kinder waren die räumlichen Bedingungen katastrophal.

Ellen Key beschreibt in ihrem Buch: 'Das Jahrhundert des Kindes' (1902) die Lebenssituation der Kinder sehr eindringlich.